BenefIT: Wenn Vertrauen auf Technik trifft

Justiz-Wappen vor einer digitalen Serverraum-Grafik als Symbol für sichere IT-Infrastruktur der Berliner Justiz.

Neuer Rechenzentrumstandort für die Berliner Justiz
Rechtsstaatlichkeit lebt vom Vertrauen der Menschen. Wer klagt, urteilt oder Recht spricht, muss sich darauf verlassen können, dass sensible Daten geschützt sind – jederzeit, kompromisslos und verlässlich. In einer zunehmend digitalen Justiz wird genau das zur zentralen Herausforderung: Technologie muss nicht nur funktionieren, sie muss Vertrauen tragen.
Denn hinter jeder Akte stehen Schicksale, Entscheidungen und Verantwortung. Mit der fortschreitenden Einführung der digitalen Akte steigen die Anforderungen an Stabilität, Sicherheit und Verfügbarkeit der IT kontinuierlich.

Ein sicherer Raum für die Justiz
Um diesem Anspruch gerecht zu werden, geht Berlin einen konsequenten Weg: Die IT der ordentlichen Gerichtsbarkeit soll in einer eigenen Infrastruktur unabhängig von anderen Daten des Landes Berlin gespeichert und verarbeitet werden. Ziel ist es, die digitale Unabhängigkeit der Dritten Gewalt nachhaltig zu sichern.

Mit der Inbetriebnahme eines neuen Rechenzentrumsstandorts ist ein entscheidender Schritt gelungen. In enger Zusammenarbeit zwischen dem Kammergericht und dem ITDZ Berlin wurde eine Umgebung geschaffen, in der hochsensible Justizdaten geschützt, verarbeitet und jederzeit verfügbar gehalten werden können – unabhängig von anderen IT-Systemen des Landes. Das Ergebnis ist mehr als Technik: Es ist ein geschützter digitaler Raum für Recht.

Der Weg in die neue Infrastruktur
Der Umzug in diese neue Umgebung erfolgt schrittweise und mit höchster Sorgfalt. Im Laufe dieses Jahres migriert das ITDZ Berlin sämtliche Fachverfahren und Datenbestände der ordentlichen Gerichte, die bisher im ITDZ Berlin betrieben wurden, in das Rechenzentrum Justiz. Die Anwendungen für Zeiterfassung und das Kassenwesen laufen bereits stabil am neuen Standort. Und die Migration der Hauptanwendung der Justiz, das Fachverfahren forumSTAR, steht kurz vor der Fertigstellung: Die Software ermöglicht Richterinnen und Richtern, Rechtspflegenden und Servicekräften die standardisierte Verwaltung von Gerichtsverfahren, die Dokumentenerstellung und den elektronischen Rechtsverkehr.

Alle rund 4.000 IT-Arbeitsplätze (BerlinPC Justiz) hat der zentrale IT-Dienstleister bereits in die neue Infrastruktur überführt. Sie stehen für standardisierte, sichere und verlässliche Arbeitsbedingungen in der Justiz. Alle Programme und Daten werden zentral betrieben und durch das ITDZ Berlin verwaltet – ein wichtiger Beitrag für einheitliche Qualität und hohe Sicherheitsstandards.

Dr. Maria Borelli
Bestehende Ressourcen wurden klug genutzt, Kapazitäten erweitert und gleichzeitig ein Höchstmaß an Schutz geschaffen.
Dr. Maria Borelli, Vorständin ITDZ Berlin

Gemeinsam stark: Kooperation als Fundament
Dass dieses Projekt so effizient umgesetzt werden konnte, ist auch ein Ergebnis gelungener Zusammenarbeit. In Kooperation mit dem Land Brandenburg nutzt das ITDZ Berlin Rechenzentrumsflächen am Standort des Brandenburgischen IT-Dienstleisters im sogenannten Housing-Prinzip.

Während grundlegende Infrastrukturleistungen aus einer BSI-zertifizierten Umgebung bereitgestellt werden, bleibt die Kontrolle über die eigene IT vollständig beim ITDZ Berlin. Eigene Netzwerke, Firewalls, Speicherlösungen und die Anbindung an das Berliner Landesnetz sorgen für die notwendige Unabhängigkeit – und gleichzeitig für ein Höchstmaß an Sicherheit. So entsteht eine Infrastruktur, die nicht nur leistungsfähig ist, sondern auch belastbar und zukunftssicher.

Erfolg und Bedeutung dieses Projekts zeigen sich auch in den Stimmen der Verantwortlichen. Die Präsidentin des Kammergerichts Dr. Andrea Diekmann bringt es auf den Punkt: „Digitale Justiz verlangt zwingend einen verlässlichen und zukunftssicheren IT-Betrieb.“ Bereits heute werden mehr als 250.000 digitale Akten geführt – ein deutlicher Beleg für die Dynamik des Wandels. Auch Justizsenatorin Dr. Felor Badenberg betont die Bedeutung für die Zukunft der Justiz: Effizientere Abläufe, mehr Transparenz und vor allem ein sicherer Umgang mit sensiblen Daten seien unverzichtbar für eine moderne Verwaltung.

Für Dr. Maria Borelli, Vorständin ITDZ Berlin, zeigt das Projekt, dass sich Sicherheit und Effizienz nicht ausschließen, sondern gegenseitig stärken. „Bestehende Ressourcen wurden klug genutzt, Kapazitäten erweitert und gleichzeitig ein Höchstmaß an Schutz geschaffen“, so Dr. Maria Borelli.

Mehr als Technik: Ein Versprechen an den Rechtsstaat
Der neue Rechenzentrumstandort ist weit mehr als ein technisches Upgrade. Er ist ein sichtbares Zeichen dafür, wie ernst Berlin die Anforderungen an eine moderne, digitale Justiz nimmt. Resiliente Infrastruktur wird hier zum Fundament staatlicher Leistungsfähigkeit – und zu einem Versprechen: dass Recht auch im digitalen Zeitalter sicher, verlässlich und unabhängig bleibt.

Blaue Linienzeichnung von zwei Händen, die Puzzleteile zusammenfügen.