PortraIT: Wie offen darf es sein?

Viele essentielle Softwarelösungen in Verwaltungen stammen von wenigen großen Herstellern. Das bringt Effizienz – schafft aber auch Abhängigkeiten. In der Diskussion um digitale Souveränität rückt eine Alternative in den Fokus: Open-Source-Software. Doch was bedeutet das in der Praxis?

Proprietäre Systeme – also geschlossene, lizenzpflichtige IT-Lösungen einzelner Anbieter – sind in deutschen Behörden oft der Standard. Das hat lange gut funktioniert. Doch im Kontext global agierender IT-Unternehmen, die unterschiedlichen staatlichen Regulierungen unterliegen, stellt sich die Frage, wie groß die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern sein sollte und wie sich die Kontrolle über wichtige digitale Infrastrukturen langfristig sichern lässt.

Hexagon-Kachel mit der Aufschrift „Open Source“ inmitten weiterer Symbole für digitale Anwendungen und Sicherheit.

Open Source: Ein anderes Modell
Open-Source-Software läuft nach einem anderen Prinzip. Der Quellcode ist öffentlich – jeder kann ihn lesen, prüfen, anpassen. Kein einzelner Hersteller hält die Kontrolle. Wer die Lösung später wechseln will, kann das – weil offene Standards den Weg freimachen. Was nach einem technischen Detail klingt, ist laut dem Bitkom Open Source Monitor 2025 für 73 Prozent der deutschen Unternehmen ein zentrales Mittel für die eigene digitale Souveränität. Immerhin: In der Verwaltung nutzen bereits 63 Prozent quelloffene Software, wenn auch bisher nur als kleine Teillösungen.

Digitale Resilienz durch Open Source
Das ITDZ Berlin setzt seit Jahren konsequent auf Open-Source-Technologien – insbesondere in den Rechenzentren, etwa bei Linux-Betriebssystemen, containerbasierten Plattformen wie Kubernetes oder offenen Cloud-Ansätzen wie OpenStack. Gerade im Bereich der Server- und Datenbankinfrastrukturen ist der Anteil von Open-Source-Lösungen hoch: Das ITDZ Berlin setzt hier heute bereits zu 75 Prozent Open-Source-Lösungen ein. Damit schafft der zentrale IT-Dienstleister bereits eine wichtige Grundlage zur digitalen Resilienz und Souveränität der Berliner Verwaltung. Gleichzeitig erweitert das ITDZ Berlin durch eine duale Servicestrategie die technologische Unabhängigkeit für sich und seine Kunden. Zentrale Services sollen künftig sowohl proprietär als auch als Open-Source-Variante angeboten werden. Das verringert die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern und schafft Wahl- und Wechselmöglichkeiten für die Kunden.

Person hält auf einer Bühne einen Vortrag zur digitalen Resilienz und souveränen Datenräumen für KI.

Dr. Matti Große, Innovationsmanager beim ITDZ Berlin

Offene Kollaboration mit dem BerlinHub
Ein Beispiel hierfür ist die neue Kollaborationslösung „BerlinHub“ als Open-Source-Alternative im Bereich digitaler Zusammenarbeit. Dabei handelt es sich um eine sichere, digitale Kollaborationsplattform für die Berliner Verwaltung. Mit BerlinHub kommt „openDesk“ nach Berlin. Die offene Arbeitsplatzlösung des Zentrums für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung (ZenDiS) wird hier ganz bewusst vom ITDZ Berlin nachgenutzt. Funktionen für den sicheren Austausch und die gemeinsame Bearbeitung von Dateien sowie umfassende Projektmanagementfunktionen über Behördengrenzen hinweg werden dort auf Basis von Open-Source-Software in einer integrierten Plattform gebündelt. Durch diese Nachnutzung profitieren Berliner Behörden von erprobten, souveränen und interoperablen Lösungen. Einrichtungen wie das Robert Koch-Institut, die Ministerpräsidentenkonferenz und der Internationale Strafgerichtshof nutzen die Plattform bereits.

Service und Beratung für die Kunden
Gleichzeitig gewinnt die qualifizierte Beratung zunehmend an Bedeutung: Das ITDZ Berlin unterstützt die Verwaltung dabei, in einer immer komplexeren Technologielandschaft fundierte Entscheidungen zu treffen – von der Bewertung sicherer Architekturmodelle bis hin zur nachhaltigen Integration und dem Betrieb von Open-Source-Lösungen. Ergänzt wird dies durch kontinuierliche Innovation, etwa durch die Erprobung neuer Technologien und kooperative Entwicklungsansätze, um langfristig unabhängige, flexible und sichere IT-Strukturen für das Land Berlin zu schaffen. Lizenzkostenfreie Software bedeutet nicht, dass die Bereitstellung, Pflege und Weiterentwicklung kostenlos sind.

„Open-Source-Code ist wie ein digitaler Rohstoff: Er kostet erstmal nichts, muss aber zielgerichtet verarbeitet werden“, verdeutlicht Dr. Matti Große, Innovationsmanager beim ITDZ Berlin. „Ohne die entsprechende Integrationsleistung sowie professionelle und kontinuierliche Pflege wird das Fundament für digitale Souveränität schnell zum unkalkulierbaren Kostenfresser.“

Eine eigene Landesstrategie für Open Source
Zum Jahreswechsel 2025/2026 hat der Senat von Berlin – als eines der ersten Bundesländer – eine eigene Landesstrategie „Open Source“ verabschiedet. Sie ist von zentraler Bedeutung für die zukünftige Ausrichtung der Berliner Verwaltungs-IT und adressiert auch das ITDZ Berlin als wichtigen Umsetzungspartner. Das formulierte Ziel der Berliner Open-Source-Strategie lautet: 70 Prozent des Software-Stacks sollen bis 2032 auf Open-Source-Basis laufen. Deshalb verankern neue Regelungen des IT-Planungsrats Open Source als Beschaffungsstandard – und wer als Verwaltung dennoch proprietäre Software kaufen will, muss das künftig begründen.

Das ITDZ Berlin begrüßt die strategische Initiative des Senats ausdrücklich und bekennt sich klar zu den damit verbundenen Zielen. Dazu zählen insbesondere die Stärkung der digitalen Souveränität sowie die Förderung von Standardisierung und Interoperabilität. Zur zukünftigen konkreten Ausprägung und Beauftragung seiner Leistungen stimmt es sich aktuell eng mit dem Berliner Senat ab.