Zwei von uns: „Wir haben während unserer Ausbildung sehr davon profitziert, dass an uns geglaubt wurde“

Marcel, du bist aus dem allerersten Auszubildenden-Jahrgang im Jahr 2000 im ITDZ Berlin und nach wie vor im Unternehmen tätig. Welche Ausbildung hast du damals absolviert und wie hast du die Anfänge damals erlebt?

Ich habe Fachinformatiker für Systemintegration gelernt. Damals vor 25 Jahren lief die Ausbildung noch ein wenig anders ab. Das ITDZ Berlin hieß damals noch LIT (Landesamt für Informationstechnik) und hatte eine Kooperation mit dem ITW (Institut für technische Weiterbildung), das bei der Ausbildung unterstützte. Das LIT war damals noch sehr nostalgisch anmutend und ehrlich gesagt, habe ich während der Ausbildung gedacht, dass ich mir danach etwas anderes suche. Aber es stellte sich dann mit der Zeit heraus, dass die Arbeit wirklich spannend war und man damals schon viele Weiterbildungsmöglichkeiten hatte, zu denen ich sonst keinen Zugang gehabt hätte.

Maximilian Schneider spricht auf einer Messe oder Veranstaltung in ein Mikrofon. Im Hintergrund sind weitere Personen sowie ein digitaler Bildschirm am Stand des ITDZ Berlin zu sehen.

Wie lief dein Start im ITDZ Berlin, Max?

Ich habe als IT-System Kaufmann angefangen. In 2013 war alles schon moderner, das ITDZ Berlin bildete eigenständig aus. Ich bin dann nach der Ausbildung mit meinem kaufmännischen Hintergrund in einem technischen Bereich gelandet – dem Firewall-Bereich. Dort war ich sowohl mit kaufmännischen als auch mit technischen Themen unterwegs und konnte die Fachbereichsleitung bei der Wirtschaftsplanung unterstützen. Diese Vielseitigkeit gefiel mir von Anfang an sehr gut.

Gab es rückblickend Momente oder Personen, die euren weiteren Weg im Unternehmen entscheidend beeinflusst haben?

Marcel: Direkt nach meiner Ausbildung war ich in einem kleineren Team mit vier bis fünf Leuten in der Abteilung IB (Infrastrukturbetrieb) als Windows-Admin tätig. Unter meinem damaligen Vorgesetzten habe ich mit tollen Leuten zusammengearbeitet und mit richtig guter Teamstimmung – ein sehr lustiges Gespann viel über IT und Technik gelernt. Zwischenzeitlich habe ich meinen Zivildienst absolviert und als ich nach einem Jahr wiederkam, war das Team auf 15 Personen gewachsen. Da dachte ich wow, das Unternehmen entwickelt sich rasant und das Klima im Team ist immer noch gut, hier möchte ich bleiben.

Max: Bei mir war es eine leider inzwischen verstorbene Führungskraft bei KD 7. Sie hat junge Talente wirklich gepusht und ihr Potential gesehen. Vor allem hat sie sich sehr stark für interne Nachwuchskräfte eingesetzt und diese gefördert. Später hat mein damaliger Chef mit einer unglaublichen Innovationskraft Dinge im CDC (Cyber Defence Center) vorangetrieben und mich für die Führung und das CDC begeistert.

Marcel Bilal spricht auf einer Messe oder Veranstaltung in ein Mikrofon. Im Hintergrund sind weitere Personen sowie ein digitaler Bildschirm am Stand des ITDZ Berlin zu sehen.

Wie sieht heute ein typischer Arbeitsalltag bei euch aus, wenn es diesen überhaupt gibt?

Marcel: Bei mir im Team geht nichts ohne Kaffee (lacht). Wir sind dauerhaft in dem „wurden-oder-werden-wir-angegriffen-Modus“ und somit immer ein bisschen im Dauerstress – das bringt der Job einfach mit sich. Die Aufgaben im Team sind sehr unterschiedlich, einerseits kümmern wir uns um forensische Analysen, führen unter anderem PEN-Tests, als auch simulierte Cyberattacken durch und betreuen viele interne Projekte. Bei einem Security-Vorfall oder Incident bleibt natürlich erstmal alles andere liegen, damit wir uns um diesen kümmern können.

Das klingt nach einem aufregenden Arbeitsumfeld.

Marcel: Ja, das ist es. Hinzu kommt, dass der Job in der Cyber Security sehr lernlastig ist. Man muss sich ständig weiterbilden und auf dem neuesten Stand bleiben, um aktuelle Angriffe erkennen und abwehren zu können. Wir müssen verstehen, wie die Angreifer arbeiten und einen langen Atem haben, gerade auch in der Kommunikation mit den unterschiedlichen Stakeholdern – von Kunden bis zu Organen wie dem LKA, BKA oder auch dem BND.

Max: Bei mir sind die Tage anders aber nicht minder spannend als Marcels und sehr unterschiedlich – von A wie diverse Abstimmungen bis hin zu Z wie Zuarbeiten für das Management. Mittlerweile arbeite ich ja als Fachbereichsleitung Cyber Defense Center-Landesverwaltung und versuche Führung als Dienstleistung an meinen vier Teams zu sehen. Entsprechend trage ich dafür Sorge, dass meine Spezialistinnen und Spezialisten richtig arbeiten können. Bei Security Incidents bin ich natürlich mit dabei, um das Ganze zu orchestrieren.

Wie hat sich euer Weg vom Auszubildenden bis zur Führungskraft gestaltet?

Marcel: Nach der Ausbildung habe ich mehrere Fachgebiete durchlaufen und habe mich recht schnell zur Teamleitung entwickelt. 2018 wurde dann das CDC gegründet. Da ich schon viel Expertise im Bereich Cyber Security hatte, war ich daran sehr interessiert und habe das für mich als Chance für einen Karrieresprung gesehen. Beim Start des CDC war ich dann auch die stellvertretende Fachbereichsleitung, habe dann aber später für mich erkannt, dass der Aufbau des Analyseteams als Teamleitung mir eher liegt, da ich eher der Hands-on Typ bin.

Max: Als Administrator habe ich mich berufsbegleitend zum IT-Business Manager weitergebildet und bin dann erstmal Richtung Projektleitung gegangen, weil ich Themen steuern und voranbringen schon immer spannend fand. Das lief so gut, dass ich zunächst zeitlich befristetet das Projekt Geschäftsfeldaufbau CDC in KD 3 gelandet bin. Weil ich dann so tief in den Strukturen drin war, habe ich Marcel dort mit der stellvertretenden Fachbereichsleitung beerbt. Ich habe dann mit der Zeit meine noch parallellaufenden Projekte beendet und mich beim Einstellungsverfahren zur Fachbereichsleitung durchsetzen können.

Gab es Herausforderungen auf dem Weg dorthin?

Max: Personal zu bekommen und zu entwickeln, ist immer eine Herausforderung. Manchmal leider auch der Wille im Haus Lösungen zu suchen und nicht nur Probleme zu sehen. Mit sehr vielen klappt das aber! Es gibt dazu hier natürlich viele Regularien, die zwar notwendig, aber mitunter zeitaufwendig sind.
Marcel: Man muss im ITDZ Berlin einen langen Atem haben, weil viele Dinge und mitunter auch die Karriere Zeit brauchen. Deshalb kann ich nur empfehlen, an den Themen, die einen interessieren dranzubleiben und sich eine Expertise aufzubauen. Dann wird man hier auch für seine Ambitionen belohnt.

Gab es einen Moment, an dem ihr wusstet: „Hier möchte ich bleiben und mich weiterentwickeln“?

Marcel: Ein wichtiger Punkt für mich war, dass das ITDZ Berlin sich selbst modernisiert hat sowie die Entscheidung, dass ein CDC gegründet und in das Gebiet Cyber Security investiert wird. Das war für mich das Signal, meine Expertise dort einzubringen.
Max: Für mich war von Anfang an die Sinnhaftigkeit etwas für Berlin zu machen motivierend, quasi Dienstleiser für das Land zu sein. Das Berliner Landesnetz fand ich schon immer beeindruckend wie auch die verschiedenen Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Und wie Marcel schon sagte, auch das ITDZ Berlin hat sich in den letzten 25 Jahren stetig weiterentwickelt und modernisiert. Transformation gehört insbesondere in der IT-Branche einfach dazu.

Mittlerweile bildet das ITDZ Berlin ja eine Auswahl an Ausbildungen an. Bildet ihr selbst in eurem Fachbereich aus?

Max: Wie bereits erwähnt, haben wir während unserer Ausbildung sehr davon profitiert, dass an uns geglaubt wurde. Deshalb bilden wir auch aus und haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht. In unserem Bereich ist es allerdings wichtig, dass schon gewisse Vorkenntnisse und Grundlagen mitgebracht werden, etwa als Trainee oder duale Studenten, die wir dann in unseren Teams nach akutem Bedarf einsetzen.

Was gebt ihr heutigen Auszubildenden mit auf den Weg?

Max: Marcel hat es bereits gesagt: bleibt dran! Wenn man bereit ist sich einzusetzen – sei es als Administration, kaufmännisch oder auf Führungsebene – dann gibt es hier für jede und jeden etwas, wo man sich hinentwickeln kann. Marcel und ich stehen hier nur stellvertretend für alle erfolgreichen Kolleginnen und Kollegen, die Gas gegeben haben und Lust hatten und haben, für das ITDZ Berlin zu arbeiten.
Marcel: Während der Ausbildung hat man die seltene Gelegenheit, Einblicke in unterschiedliche Bereiche zu bekommen. Findet heraus, was euch wirklich Spaß macht und nutzt euer Netzwerk aus den Ausbildungsjahren.

Was ist für euch das Schönste daran, Karriere im eigenen Ausbildungsunternehmen zu machen?

Max: Die Vernetzung über die Abteilungen und Teil einer Entwicklung zu sein, das macht mir Spaß.
Marcel: Ich fühle ich hier tatsächlich heimisch, aufgrund der Dauer des Lebensweges, den ich hier gegangen bin. Und das ist ein schönes Gefühl.

Viele Dank für diese spannenden Einblicke, Marcel und Max!